Boule in Wörsdorf

Jeansverbot verärgert Boule-Spieler in Frankreich

25.04.2018 Marseille. Der französische Verband will Jeanshosen beim Boule-Spiel verbieten. Die Offiziellen rechtfertigen die Regel, in den sozialen Netzwerken gibt es Kritik und Spott.

Protest gegen Dresscode
Protest gegen Dresscode

In der Welt der Anzugträger sind Jeans längst angekommen – doch bei den Funktionären des französischen Boule-Sports sind sie verpönt: Mit einem Jeansverbot für die Meisterschaften des berühmten Nationalsports will der Verband FFPJP den Topspielern ein seriöseres Äußeres vorschreiben. Anlass ist die Bewerbung als olympische Sportart. Bei Spielern und Vereinen hat die Ankündigung Unmut ausgelöst. Denn im Alltag – in Parks oder auf Dorfplätzen – ist das Spiel eine eher formlose Angelegenheit. Konkret geht es um die französischen Meisterschaften im Pétanque, der beliebtesten Spielart des Boule-Sports in Frankreich. Schwere Kugeln werden, zumeist auf Kiesuntergrund, zu einer kleineren Kugel geworfen. Ziel ist es, so nahe wie möglich an die Zielkugel zu gelangen. In der Endrunde der Meisterschaft sind Jeans bereits länger verboten. Die Vorschrift wurde in den Qualifikationsrunden jedoch bisher ignoriert

In den sozialen Netzwerken wurde die Durchsetzung des Jeansverbots ins Lächerliche gezogen. So wurden auf Facebook Bilder eines Vereinspräsidenten aus dem französischen Département Haute-Saône geteilt, der in einem Clownkostüm an einem Wettkampf teilnahm. In Südfrankreich wurde aus Protest gegen das Verbot für den 1. Mai eine Pétanque-Partie mit „Jeanspflicht“ organisiert.

„Wir wenden nur eine Regel an, die es seit 1990 gibt“, rechtfertigte sich der FFPJP am Dienstag gegenüber AFP. Das Jeansverbot beziehe sich zudem nur auf die französischen Meisterschaften und die Qualifikationsphase und gelte nicht auf lokaler Ebene. Nur bei fünf bis zehn Prozent der Verbandswettkämpfe sei das Tragen von Jeans verboten, hieß es weiter. Für den Verband, der Pétanque gerne bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris im Programm sehen würde, geht es um „eine Frage des Images“. „Ein Verband, der nicht seine eigenen Vorschriften einhalten kann, das macht sich schlecht“, hieß es. Zudem seien Jeans in besonderem Maße Modetrends ausgesetzt – „schlecht gepflegt, zerrissen, ungewaschen oder nicht sehr sauber“. Pétanque sei lange Zeit nur eine Freizeitbeschäftigung gewesen – „aber jetzt ist es eine Sportart von hohem Niveau“.

Das Verbot hat sich in Frankreich zu einer nationalen Diskussion entwickelt und könnte angefochten werden. Hinsichtlich der Olympiabewerbung könnten sich die Kugeln im Übrigen als größeres Problem herausstellen als die Beinkleidung. Die Kugeln sehen sich traditionell recht ähnlich – und können deswegen bei Wettkämpfen von den Zuschauern nur schlecht den jeweiligen Spielern zugeordnet werden. (AFP)

(Quelle: General Anzeiger Bonn)